Bereits vom Namen her ist die Religion ersichtlich: Jean-Baptiste ist engagierter Christ, genauer gesagt Katholik. Hier wird die Religion normalerweise anhand des Namens ersichtlich. So ist zum Beispiel für jeden klar, dass Christoph ein Christ ist – sonst würde er ja nicht so heissen! Auf unserem Weg treffen wir daher viele Mohammeds, Abdullays, Mamadous, Fatimas, etc., die – richtig geraten – nicht Christen, sondern Moslems sind (ein Nachfragen erübrigt sich).
Wir haben von einer Reisebekanntschaft (Christ-ian) die Adresse von Jean-Baptiste gekriegt. Er holt uns im Dunkeln in Kankan, der zweitgrössten Stadt in Guinea, ab. Zu ihm nach Hause nehmen wir nach einigem Zögern ein Moto-Taxi.

Ohne gross zu überlegen überlässt er uns sein Zimmer mit einem ca. 2.5m breiten Bett. Es gibt sogar ein Badezimmer, wenn auch kein fliessendes Wasser und Strom hat es nur, solange der mit Benzin betriebene Generator läuft. Gastfreundschaft bedeutet hier, dass wir einfach bleiben können, so lange wir wollen.
Jean-Baptiste ist sehr gebildet und arbeitet einerseits als Uni-Professor für Wirtschaft, andererseits ist er bei Caritas für die Finanzen zuständig. Mit seinem Lohn finanziert er Geschwistern und Cousins die Ausbildung.
Während unseres Aufenthalts kommen wir mit diesen Maturanden und Studenten näher ins Gespräch. Alle sind ziemlich aufgebracht über die „mal-gouvernance“ des Staates. Guinea ist eines der ressourcenmässig reichsten Länder und dennoch gibt es wenige geteerte Strassen, kaum fliessendes Wasser und regelmässigen Strom nur in der Hauptstadt. Es verwundert uns deshalb nicht, dass ab dem 31. März ein Streik angekündigt wird.
Wir können nur hoffen, dass sich in Guinea bald etwas ändert. Die Leute haben die Nase voll und sind bereit, aufs Ganze zu gehen (ein Putsch, hier „coup d’état“ genannt, ist nicht ausgeschlossen).
Jean-Baptiste hat – obwohl auch beim Staat angestellt – das guineische (afrikanische?) Problem verstanden: jeder schaut (nur) für sich und seine Familie. Dies bedeutet beispielsweise, dass nicht der Asphalt auf die Strasse geht, sondern das Geld auf ein Bankkonto in der Schweiz. Jean-Baptiste will gegen die Armut in Guinea ankämpfen. Am liebsten würde er in Europa Entwicklungsarbeit studieren, um sich noch besser für sein Land einsetzen zu können. Nach ihm müssen die Guineaner (damit sind in diesem Fall die Funktionäre gemeint) mehr patriotisch und weniger egoistisch werden; d.h. nicht mehr als ihnen zusteht zur Seite schaffen: Momentan arbeiten gezählte 19 Minister vor allem in ihre eigenen Taschen; allen voran wahrscheinlich das Ministerium für Diamanten, Gold und Mineralressourcen…