Mittwoch, 19. März 2008

Zwischen Bastrock und Palmwein

Da die Lage in der Casamance (Süden von Senegal) momentan nicht sehr stabil ist, ändern wir unsere Pläne und beschliessen, kurzerhand nach Guinea-Bissau einzureisen. In Ziguinchor erhalten wir innerhalb einer Stunde ein Visum (dies in Afrika) und kurz darauf sitzen wir schon im Taxi (umgebauter Mercedes mit 8 Plätzen, d.h. auf dem Beifahrersitz sitzen zwei, hinten vier, zuhinterst drei) Richtung Grenze.

Guinea Bissau (gleich gross wie die Schweiz) ist eines der ärmsten Länder der Welt (65% verdienen weniger als zwei Dollar pro Tag). Da hier die Portugiesen die Kolonialherren waren, ist für uns zum ersten Mal die Kommunikation markant erschwert. Mit Spanisch und Französisch schlagen wir uns irgendwie durch.


Unser Ziel sind die Bijagos Inseln. Ein Archipel mit 14 grösseren und unzähligen von kleinen Inseln. Dort wollen wir uns etwas erholen.
Die Landschaft ist atemberaubend: Mangroven wechseln sich mit menschenleeren, Palm-bewachsenen Sandstränden.

Im Innern der Inseln wurde leider oft der Wald gerodet, um die lukrativen Cashew-Bäume anzupflanzen (Guinea-Bissaus Export Nr. 1). Im Wasser wimmelt es von Fischen. Wenn man hier innerhalb von 5 Minuten keinen Fisch an der Leine hat, geht man mit dem Boot weiter. Es gibt Haie, Delphine, Rochen, Meeresschildkröten, Hippos sowie unzählige Vögel (darunter Kolibris und Flamingos).



Auf einem zweitägigen Ausflug besuchen wir ein Dorf auf der kleinen Insel Soga. Die Leute hier sind zwischen die Zeiten gefallen. Die Frauen tragen Baströcke und laufen z. T. oben-ohne rum; gleichzeitig tragen sie aus Asien importierte Kettchen und Plastik-Flipflops.


Wir werden oft um Geld angebettelt und der Palmwein scheint hier beliebter zu sein als Wasser. Die eigene Kultur der Bijagos ist zwar noch stark vorhanden (an einem Abend findet gerade eine Zeremonie statt, bei der wir nur mitbekommen, dass Frauen aus dem heiligen Wald zurückgekehrt sind und als Waldgeister verkleidet tanzen), aber der Westen hat starke Spuren hinterlassen. Die Leute kaufen sich lieber Reis aus Thailand, als selber Reis anzupflanzen. Die Kinder laufen mit Wasserbäuchen rum und sind extrem anhänglich (und dreckig, aber da sind wir schon lange nicht mehr heikel).


Wir sind uns einig, dass es auf den Bijagos primär die Natur und weniger die Kultur zu entdecken gibt.

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