Freitag, 28. März 2008

Blaise – desillusionierter Student in Dalaba

Nun sind wir in Guinea. Ein Land, das einer ungewissen Zukunft entgegen geht. Für den 31. März ist Generalstreik angesagt, die Bevölkerung hat die Nase voll von der Regierung, die sich schamlos auf Kosten der armen Bevölkerung bereichert. Unsere Pläne werden erneut über den Haufen geworfen: Anstatt im Süden von Guinea den Regenwald zu durchstreifen, werden wir gezwungenermassen bereits in Mali sein, wo die Hitze uns wohl bruzzeln lässt.

Blaise – ein Student aus der Waldregion im Süden Guineas – gibt uns in Dalaba einen Einblick in sein Studentenleben. Dieses hat bereits ganz andere Vorzeichen als bei uns in der Schweiz:
Der Staat teilt einem nach dem Lycée die Studienrichtung zu und dies ziemlich willkürlich – oder anders gesagt geldgesteuert! Blaise, der keine wohlhabenden Eltern besitzt, sitzt nun in Vorlesungen über Veterinärmedizin, obwohl ihn eigentlich Wirtschaft interessiert.
Um seine Unterkunft zu finanzieren, arbeitet er in einem Hotel, wo er putzt und Nachtwache hält. Momentan hat er gerade Prüfungen. Morgens um 4 Uhr steht er auf und lernt, bis die ersten Hotelgäste (dies sind wir, da wir die einzigen hier sind) frühstücken wollen.
Sein Gehalt ist so spärlich (20 000 CFA), dass es ihm - wie vielen Guineanern – kaum für das Essen reicht. Lukrative Studentenjobs existieren nicht und der Staat gibt den Studenten 80 000 CFA pro Monat (ca. 20 Fr.). Daher ist es verständlich, dass Blaise das Vertrauen in seine Heimat verloren hat und von einer weissen Frau aus Europa träumt.


Obwohl Blaise ein gebildeter Katholik ist, erklärt er uns auf unser Nachfragen ernsthaft, dass die Hautritzungen an seinen Oberarmen dazu dienen, ihn zu beschützen. Die eine Ritzung verhindere das Eindringen von Kugeln in seinen Körper, eine andere schützte vor Gift. Uns bleibt fast der Mund offen stehen und wir realisieren wieder einmal, dass wir wirklich in Afrika sind: Aberglaube, Naturreligionen, Christentum und Islam führen zu einer eigenartigen Mischung.

PS: Christoph lehnt Blaises Angebot dankend ab, im Süden auch solche Ritzungen machen zu lassen.

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