
Nach einer bunten Überfahrt in einer überfüllten Holz-Piroge von den Bijagos Inseln nach Bissau (4 h, 2 Wasserschöpfer und allerhand Vieh) verschieben wir uns nach Tché-Tché, ein kleines, malerisches Dorf im Südosten von Guinea. Hier lebt eine der letzten Schimpansen-Kolonien von Westafrika und das Ministerium für Umwelt unternimmt momentan gerade einen Versuch mit Öko-Tourismus, etwas Geld in diese arme Region zu bringen. Wir wollen diese Menschenaffen sehen!

Der äusserst zuvorkommende Dorf-Chef begrüsst uns herzlich und die Schimpansen-Pirsch wird mit ihm zusammen für frühmorgens geplant.
Mit dem Dorfjäger ziehen wir los: Acht Jagdhunde begleiten uns! Kann das gut kommen? Jedenfalls sehen wir eine Menge Schimpansen-Nester in den Bäumen, doch die Hunde haben die schlau-scheuen Schimps schon lange vertrieben.

Nix mit Affengucken fürs erste…der betroffene Dorfchef legt eine zweite Pirsch für den späten Nachmittag fest.
Anstatt einer Schimpansen-Beobachtung findet nun eine von uns bezahlte Affen-Jagd statt: Jedes Mal, wenn die Hunde angeben, geht es rauf und runter, durch Büsche und Dornen, um guten Schuss zu haben. Resultat der dreistündigen Affen-Tour sind zwei erlegte Primaten und ein Waisen-Affen-Kind! Zum Glück essen Muslime keine Schimpansen. Das Affen-Kind wird für knapp 10 Fr. in die nächste Stadt verkauft.

So nicht, mein Lieber! Nach einer Aussprache unter der Leitung des verständnisvollen Dorfchefs wird für den nächsten Tag eine weiterer Beobachtungsgang unternommen. Wieder nix, nun lassen wir es endgültig…denn im Dorf will langsam aber sicher jeder besser wissen, wo sich die Schimps aufhalten und sie uns zeigen kommen. Gegen gutes Geld natürlich…

Dafür besichtigen wir unter sachkundiger Führung des Häuptlings das Dorf, in dem uns aber nun wirklich alle kennen. Dabei hören wir interessante Sachen, die uns alleine nicht aufgefallen wären. Im 2003 hat Unicef hier eine Schule gespendet, im 2004 war das Geld für Schulmaterial aufgebraucht und seither fehlt es an allem. Infolge der korrupten Regierung hat Unicef keine weiteren Gelder mehr gesprochen. Das einstige Spital steht verlassen da, hier hat die Entwicklungshilfe ein weiteres Mal versagt.

Die Regierung hat Geld gesprochen für ein Lokal-Radio. Das Gebäude steht leer da, alles andere Geld ist in anderen Kanälen versickert. Der Dorf-Chef zeigt uns noch einen 100-seitigen Entwicklungsplan der Regierung für das Dorf für 2007-2009. Tönt alles super, doch der Bericht hat wahrscheinlich schon den grössten Teil des vorhandenen Geldes gefressen…so tickt die Welt in Westafrika!
Immerhin, die Wasserpumpe und die Dorf-Bäckerei funktionieren. Die Kinder sind sehr freundlich und wir werden während der ganzen Zeit zu unserem Erstaunen nicht ein einziges Mal nach Geld oder sonst irgendwelchen Geschenken gefragt.



Das vom Dorf nicht zu unterscheidende Militär-Camp lernen wir tags darauf kennen: Hier sind alle reicher, haben je nach Geschlecht vorne oder hinten ein gutes Fettpolster und sogar die Hühner sind dicker. Gearbeitet wird kaum und wenn schon, dann vor allem wichtig getan und gesprochen und Geld eingesteckt, wo immer man kann. Zum Leid der Bevölkerung. Auch wir müssen das miterleben, denn uns gibt sich die Gelegenheit mit einem Reistransporter aus den 60ern nach Boké, Guinea zu reisen. Dreieinhalb Stunden müssen wir warten, bis der Wegzoll vom Militär festgelegt ist. Um 10 30 lassen sie uns passieren…

Die 22-stündige Fahrt auf übelsten Feldwegen (ca. 150 km), durch Flüsse, rauf und runter, durch Dörfer, wo die Kinder fliehen, wenn wir Weisse aussteigen, ist ein richtiger Hammer-Trip. Zu fünft sitzen wir vorne in der Kabine, es ist eng und die Abwärme sowie die Giftdämpfe steigen vom Motor direkt in unsere Nasen. Doch wir haben es lustig. Unterwegs laden wir 150 Säcke Reis, ab und zu muss wieder gewartet werden – wegen dem Militär natürlich, einen Platten gibt es auch noch, 2 Mal müssen wir andere Teile am Laster flicken und frühmorgens nach durchgefahrener Nacht geht gut 15 km vor Boké der Most aus…aufs Dach steigen und auf den vom Regen duchnässten Säcken schlafen, heisst die Devise. Wie immer in Afrika – irgendeine Lösung findet sich…fragt uns nicht wie, aber 2 Stunden später geht die Fahrt wieder weiter. Heil und schmutzig wie Kaminfeger erreichen wir Boké. Das war Afrika live!
Mimis Finanz-Alltag Nr. 5
Hotelnacht in einem Stundenhotel in Bissau (bis 4 Uhr morgens Hochbetrieb) = 8000 CFA
Hotelzimmer mit Meerblick (Bijagos Inseln) = 5000 CFA
Mitfahrt nach Bubaque (4h Meer) = 2500 CFA
200g Cashew Nuesse = 300 CFA
Brot = 100 CFA
1 L Zuckerrohrschnaps = 1500 CFA
Mittagessen (Reis und Fisch) = 750 CFA
Papaya = 150 CFA
1 Paeckli Zigarretten (Geschenk) = 250 CFA
30 m Fischschnur inkl. Haken = 900 CFA
1 Huhn = 1000 CFA
22-stuendige Fahrt nach Guinea = 7500 CFA
Dusche danach = gratis (beim Chauffeur zu Hause)
Mimis Finanz-Alltag Nr. 6
4200 GF (Guinean Franc) = 1 Fr.
1 h Internet = 4000 GF
Hotelnacht in sehr schaebigem Hotel = 50000 GF
1 Mango = 500 GF
Guinea T-Shirt = 30000 GF
Marsglace = 16000 GF (absoluter Luxus)
1 Min Telefonieren in die Schweiz = 1000 GF
250 km Taxifahrt (9 Plaetze) = 30000 GF
Schuhe putzen und fetten (Strassenkinder) = 500 GF