Boujdour ist eine aus dem Boden gestampfte Kleinstadt mitten in der Westsahara. Younes und Lamia wurden – da sei beim Staat arbeiten und keine wichtigen Beziehungen haben – dorthin versetzt, ca. 1500 km von ihrem Heimatort entfernt. In Boujdour gibt es nichts ausser heissen und kalten Wüstenwinden, Sand, kleine Läden mit dem alltäglich Nötigen, ein paar Cafés, viele Fischer und kilometerlange, menschenleere Strände.
Als wir uns zwei Tage vorher bei Familie Habbech melden, ist es ganz selbstverständlich, dass wir bei ihnen bleiben können. Wir werden am Gare Routière abgeholt und können gleich unser eigenes Zimmer beziehen. In einer marokkanischen Familie muss es ein Zimmer für Gäste geben. Hier fühlen wir uns vom ersten Augenblick an wohl. Younes und Lamia sind beide noch jung und freuen sich darüber, im kargen Boujdour eine Abwechslung zu haben. Die kleine Tochter, 22 Monate alt, hat nach anfänglicher Schüchternheit vor allem an Onkel Christoph (sie nennt uns Onkel und Tante) Freude. Die Freude ist umso grösser, wenn der Onkel im traditionnellen Jallabah (Kleiderüberzug mit Zwerg-Mütze) steckt.
Lamia und Younes tun alles für uns. Hier in der Westsahara sind die Arbeitszeiten anders als im Norden: Beide arbeiten ca. von halb zehn bis halb eins am Mittag – that’s it. Dies ist bei aller Abgeschiedenheit wohl der grösste Vorteil dieses Ortes. Younes ist Militär-Zahnarzt (wegen dem Konflikt um die Westsahara zwischen Marokko und Algerien ist ein grosser Teil der marokkanischen Armee in der Westsahara stationiert) und Lamia ist Ärztin im örtlichen Gesundheitszentrum.
Lamia kocht uns ein marokkanisches Gericht nach dem andern: Harira (Suppe), Tajin (einmal mit Poulet, einmal mit Rind), Sepia-Ringe. Younes zeigt uns den lebendigen Fischerhafen mit ca. 400 Barken und die langen Strände.
Von einem weiteren Verwandten der Familie, Khalid, werden wir zum Tee eingeladen. Seine Frau ist eine Sahari. Sie zeigt uns, wie sie hier den Tee zubereiten (das kann bis zu 6 Stunden dauern) und serviert uns die obligaten drei Runden.
Als wir vor der Abreise noch beschenkt werden, sind wir ab soviel Gastfreundschaft erneut leicht beschämt und hoffen, dass die Familie Habbech uns einmal in der Schweiz besuchen kann.
1 Kommentar:
Stöff sieht ja aus wie einer vom Ku-Klux-Klan!
Vorsicht: In Schwarzafrika kann das heikel werden ;-)
Gruss in die Wüste
rüdi
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