Dienstag, 5. Februar 2008

Der normale Samstag einer Rif-Bäuerin

Unsere erste Station in Marokko heisst Chefchaouen. Dies ist eine kleinere Stadt (ca. wie Thun) im Rif-Gebirge (Norden Marokkos): Idyllisch gelegen mit blau und weiss getünchten Häusern. Für Kiffer ist hier Endstation Paradies: Jeder zweite (echt!) in der Stadt hat den besten Stoff aus eigener Produktion (Oil Hasch, Chocolat Maroccain oder dann die Hausmischung seiner Frau).
Bald einmal haben wir die Altstadt besichtigt und genug Angebote von Haschisch, Kiff, Smoke etc. dankend abgelehnt (er: no smoking – no business – angry / wir: no smoking – no problems – happy) und laufen los in Richtung Berge.
Auf einem ganz passablen Wanderweg treffen wir nach ca. einer Stunde auf eine Gruppe von Rif-Bäuerinnen, die zwar in die gleiche Richtung wie wir gehen, aber wohl nicht nur zum Wandern unterwegs sind. Ich komme mit Fatima, einer 15-jährigen jungen Bäuerin ins Gespräch. Glücklicherweise hat sie in der Schule Französisch gelernt. Sie erklärt mir, dass sie Äste schneiden wollen, um Futter für die Kühe zu erhalten.


Die Gruppe Frauen amüsiert sich köstlich ab uns – besonders, nachdem sie mir ein Tuch, wie sie es tragen, um die Hüften geschlungen haben. Sie wollen auch wissen, ob wir verheiratet sind und Kinder haben etc. (natürlich sind wir verheiratet, haben aber bedauerlicherweise noch keine Kinder). Als wir einwilligen, mit ihnen mitzugehen, sind sie hocherfreut.


Der Aufstieg ist hart und umso härter die Arbeit, welche auf die Frauen wartet. Endlich beim Wald angekommen, hacken sie mit einer Art Macheten auf eine besondere Art von Büschen los. Sie machen riesige Haufen von Ästen und wir fragen uns, wie um Himmels Willen sie diese nach unten transportieren wollen. Fatima erklärt so viel wie möglich und wir staunen nicht schlecht, als wir sehen, was für riesige Bündel sich die Frauen auf den Rücken binden. Hochachtung!




Fatima scheint zwar schwer unter dieser Last zu leiden, doch auch nach einer Stunde Abstieg will sie ihre Ladung nicht an Christoph oder mich abtreten (ehrlich gesagt weiss ich nicht, ob ich dieses Fuder auch nur 5 Minuten hätte in diesen steilen Steinhängen tragen können). Das Problem scheint nicht primär das Gewicht, sondern das Gleichgewicht zu sein.

Diese Begegnung mit Fatima und ihren Bauern-Kolleginnen werden wir nicht so schnell vergessen. Diese Arbeit muss wöchentlich gemacht werden. Nicht jeder kann sich so auf den Samstag freuen, wie wir in der Schweiz…

Mimis Finanz-Alltag Nr. 2

7 dh (Dirham) = ca. 1 Fr.

Übernachtung (Doppelzimmer ohne Bad) – 100 dh
Tajin (marok. Gericht im Tontopf mit Fleisch und Gemüse) – 30 dh
1.5 Liter Wasser – 6 dh
Fladenbrot – 1 dh

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Interessant, das Porträt der Rif-Bäuerin! Harte Arbeit ist das. Es scheint mir sehr gelungen, beim Blog auf Leute zu fokussieren. Dass ihr verheiratet seid, ist mir neu.

Anonym hat gesagt…

Afrika ist billig! In Göttingen, wo ich morgen hin fahre, ist die Jugi immer noch 25 Euro (das Mittelklasshotel am Stadtrand 80 Euro).

Rüdi hat gesagt…

Freu mich auch schon auf Samstag :-)