Donnerstag, 28. Februar 2008

550 km Paris-Dakar mit Mohammed Chahbi

Nachdem wir im „Nachtbus der Ganoven“ von Essauira nach Tan-Tan gesessen hatten und kaum ein Auge zugedrückt hatten (Kurz nach Mitternacht wollte man Mimi von hinten den Rucksack zwischen den Beinen klauen! Die Stirnlampe entlarvte ein Bilderbuch-Spitzbuben-Gesicht… und am Morgen erkannte ich bei Tageslicht fast die halbe Busstation (sogenannte Helfer) von Essauira im Bus. Während der Fahrt wurde an die vorderen Sessel gespuckt und zwei Sitzplätze gingen in die Brüche. Eine wahrlich bewegte Bussfahrt, denn am Morgen gabs dann auch noch einen Sandsturm zu durchfahren), verpassten wir in Tan-Tan den Bus nach Boujdour. Wir wählten daher einen sogenannten „Sept Place“. Das sind normale 5-Platz-Autos, die auf afrikanische Art und Weise sehr ökologisch genutzt werden; vorne 3 und hinten 4 Personen.
Die 550 Kilometer lange Fahrt durch die Wüste ging los. Die ersten 120 km verliefen problemlos, doch dann fing unser Fahrer Mohammed an, sein wahres Gesicht zu zeigen: Da er den Bus einholen wollte, verkrachte er sich bei der Mittagspause dermassen mit einem Taxi-Insassen, dass er kaum wieder losgefahren Halt machte und sie den Konflikt nach dem Recht des Stärkeren lösen wollten. Man musste schlichten. Der Fahrer legte nun seine ganze innere Wut ins Gaspedal. Während Mimi neben mir frisch und froh dahindöste, rief ich all meine Schutzgeister an, um Heil nach Boujdour zu gelangen. Unübersichtliche und wegen Sandverwehungen einspurige Kurven wurden mit 140 km/h einfach geschnitten. Die Raserei gipfelte in einem Rennen mit einem anderen Taxi kurz vor Layoune. Zum Glück gab es dort einen kurzen Halt. Um die Streithähne zu trennen, wurde mit dem anderen Taxi Insassen ausgetauscht. Von nun an ging es gemässigter weiter, doch kurz vor Boujdour wurde es wieder brenzlig: Irgendein marokkanischer Chart-Hit veranlasste die anderen Insassen zum rhythmischen Mitklatschen. Auch unser Fahrer klatschte mit Inbrunst mit. Mit den Knien steuerte er bei 120 km/h! Dazu sang er „Swissriya, swissriya“ (Schweizerin, Schweizerin). Obwohl uns gar nicht ums Klatschen war, mussten wir mittun. Das Lied dauerte eine Ewigkeit. Diesmal verliess ich mich auf sein Können, denn er ist schliesslich seit 32 Jahren im Taxi-Business…und lebt noch!


In Boujdour angekommen, war sein Jähzorn vollkommen verflogen und er war lahm wie die Ente und lud uns sogar zu sich ein, falls wir wieder einmal vorbei kommen sollten.


Nach dem Aufenthalt in Boujdour (siehe oben) geht unsere Reise weiter nach Mauretanien. Ab Dakhla verkehren keine Busse mehr. Nur noch Transporter, in denen man hinten drin die 450 km bis nach Nouadibouh bei gemütlichem Tee und Plaudern verbringt. Arabiasch-Könner erkennen an den Aufschriften, dass das „Büssli“ unter Gottes Segen steht… Nur die unzähligen Autowracks im Niemandsland zwischen den beiden Grenzen erinnern an den schwelenden Westsahara-Konflikt (Landminen!).

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