Dienstag, 20. Mai 2008

Auf Wiedersehen Afrika


Vier Monate Afrika sind um! Heute heisst es Adé sagen und ins Flugzeug steigen. Die zurückgelegte Strecke von Marokko via Mauretanien, Senegal, Guinea-Bissau, Guinea, Mali, Ghana nach Burkina Faso überfliegen wir nun in ca. 2 Stunden. Der Landweg war definitiv interessanter aber auch entbehrlicher.
Was hat uns diese Reise gezeigt? Was haben wir dabei gelernt? Welches ist die Zukunft Afrikas? Warum ist Afrika der vergessene Kontinent? Was muss geschehen, um den Weg in eine bessere Zukunft zu schaffen? Braucht es die omnipräsente Hilfe des Westens überhaupt? Ist sie förderlich oder sogar hinderlich? Können sich die Leute hier nicht selber helfen? Wenn ja, wie? Wollen sie das oder sind vor allem die Männer einfach zu faul?
Solche Fragen haben uns in den letzten Wochen auf unserer Reise begleitet. Zu Beginn der Reise ist alles neu, man staunt, man lernt, wie mit welchen Leuten umgehen, alles ist neu, man ist fasziniert. Je länger die Reise fortschreitet, desto mehr ist man voll im afrikanischen Leben drin. Überladene Autos, die fast auseinander fallen; Frauen, die unglaubliche Lasten auf dem Kopf balancieren; Fleischerstände, die zum Himmel stinken; Schlepper, die es nur auf die Weissen Batzen abgesehen haben; Männergruppen, die den ganzen Tag rumhängen und nur „bouffer l’argent“ – all dies bringt einen kaum mehr aus der Ruhe. Es ist alles gewohnt, man ist auf fast alle Fälle vorbereitet. Und doch erlebt man täglich Neues, Unbekanntes, Erstaunliches. So ist die Welt. Jeder Tag bringt seine Geschichte, für jeden sieht sie anders aus und startet mit ungleichen Vorzeichen. Die Bauersfrau im malischen Dogonland zum Beispiel erlebt den Tag komplett anders als der durchreisende Tourist. Auch der Blickwinkel, aus dem man die Umwelt betrachtet, ist ein völlig anderer. Es sind andere Probleme, die einem beschäftigen. Doch das Gemeinsame ist: Wir sind alle Menschen, können ungeachtet der Sprache miteinander kommunizieren und einander verstehen, wir haben alle unsere Probleme. Jeder muss sich irgendwie durchs Leben schlagen. Wir alle sind auf unserem Weg und wenn sich dieser mit anderen kreuzt, verstehen wir uns, ganz egal, wer wir sind oder wo wir sind.
Auf viele Fragen haben wir für uns Antworten gefunden, auf andere wiederum nicht. Die Welt ist zu gross, um von zwei Menschen interpretiert zu werden. Wir alle müssen unseren Teil zur täglichen „Verbesserung“ der Welt beitragen. Auch wenn es nur ein sehr kleiner ist.


Verantwortungsvolles Reisen bedeutet, nicht immer den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Wer ist Schuld daran, wenn der Afrikareisende in einem abgelegenen Dorf von einer Horde Bettlern begrüsst wird, der Dorfchef nach dem ganz grossen Cadeau fragt und die Menschlichkeit vom Geldgedanken verdrängt worden ist? Touristen, die den Kindern wie wild Bonbons verteilen und alle Preise bezahlen, auch wenn sie unverschämt hoch sind, tragen dazu bei, dass das afrikanische Bild vom Weissen massiv verzerrt wird und die afrikanische Nation zum armen Bettler verkommt. Wer wird den Weg aus der Armut wohl eher schaffen, der aufrichtige arme Bauer oder der verwahrloste arme Bettler?
Uns ist es nicht immer gelungen, uns vorteilhaft zu verhalten. Und doch hoffen wir, etwas zum Verstaendnis verschiedener Welten fuereinander beigetragen zu haben. Wir haben auf jeden Fall profitiert!

Elefanten gehören einfach dazu!


Im Mole National Park in Nordghana kann man zu Fuss auf Elefantenpirsch. Nix wie hin, sagen wir uns, denn Afrika ohne Elefanten wäre wie die Schweiz ohne Alpen. Spät nachts kommen wir im Park Headquarter an. Wir sind gespannt auf den Morgen, denn die Elefantenfamilie hier lässt sich in keiner Art und Weise mit der von Botswana vergleichen. Wir erwarten demzufolge nicht allzu viel…
Umso grösser ist unser Entzücken, als wir bei Morgengrauen über die weite Savanne blicken und die Elefanten gerade beim Bad am Wasserloch beobachten können. Gleich um die Ecke quert eine Warzenschweinfamilie unser Blickfeld.


Ein zweiter Blick lässt auch eine Menge Wild erkennen. Wir freuen uns auf den folgenden Elefantenbesuch.
Unser Führer bringt uns zum Wasserloch, wo nun mittlerweile ca. 15 Elefantenbullen den Morgen gemütlich im Wasser verbringen. Es ist einfach die Grösse der Tiere, die uns klein aussehen lässt daneben…wir sind von neuem fasziniert und nun kann ich doch noch Holzelefanten als Souvenir nach Hause bringen.


Von unserer Unterkunft lässt sich das Treiben am Wasserloch den ganzen Tag durch beobachten. Wer zu gebannt ist, dem stiehlt der angriffige Affe die zuckersüsse Ananas…selber schuld.

Freitag, 16. Mai 2008

Beachlife


Bald am Ende unserer langen, mehr oder wenigen anstrengenden Reise, gönnen wir uns 10Tage Strandleben in den abgelegensten und gemütlichsten Beach Resorts von Ghana. Die Natur ist umwerfend – Sandstrand mit Palmen so weit man in beide Richtungen sehen und gehen kann. Die Meeresschildkrötenzeit haben wir knapp verpasst. Wir unternehmen Kanufahrten auf seerosenbewachsenen Lagunen und besuchen weiss getünchte Sklavenforts mit über 500 Jahren Geschichte.

Am Strand kommen kleine Jungs vom Dorf und verkaufen uns Kokosnüsse, nachdem sie genug Holz nach Hause geschleppt haben.
Ein andermal beobachten wir, wie die Kinder den Rasta-vibe sozusagen in Privatlektionen erwerben.



Am Abend können wir trotz müden Beinen nach stundenlangen Strandspaziergängen fast nicht einschlafen, weil das Meer so laut in unseren Ohren rauscht.



Im Reich der Schmetterlinge


Hier Schmetterling, da Schmetterling, dort Schmetterling, überall Schmetterling: leuchtend blau, schillernd violett, knallig gelb, schwarz-gelb getupft, braun getarnt, So erlebt man den tropischen Urwald in Ghana. Im Ankasa Forest Reserve, wo es noch wirklich unberührten Regenwald gibt, leben über 600 verschiedene Arten dieser grazilen Könige der Insekten!


Auf unserem 14 km langen „Militärmarsch“ mit Vollbepackung (hinten und vorne Rucksack) in unser Nachtlager mitten im Urwald sehen wir unzählige davon. Der Schweiss tropft nur noch so, das Wasser ist rationiert und das Essen eintönig. Trotz all diesen selbstauferlegten Strapazen ist das Reservat ein Naturerlebnis. Vor allem in der Nacht, wo die schrille „Musik“ der Grillen und das Geschrei der Affen einfach dazugehören, merkt man, wie erschreckend still die Welt ohne Lebewesen sein könnte.


Zurück in die Zivilisation gehen wir ebenfalls zu Fuss. Auf unserem Eilmarsch kreuzen wir den Ameisenmarathon. Hunderttausende queren da die Strasse, die von grossen Wadenklemmern bewacht wird, welche Fotografen nicht dulden.

Freitag, 9. Mai 2008

God First Hair Salon

Eigentlich wollte ich ja nie, aber jetzt hat’s mich doch gepackt…



In Lydias „God First Hair Salon” verpassen mir fünf flinke Ladies innert 2.5 Stunden die untenstehende Frisur.


Meine Kopfhaut schmerzt noch zwei Tage später und ihr werdet mich sicher in der Schweiz nicht mehr so sehen, aber es hat sich doch gelohnt, das mal auszuprobieren!

Mimis Finanz-Alltag Nr. 6

(1 ghanaischer Cedi = ca. 1 Fr)

Zöpfli – 9 Cedis
Geschneidertes Kleid – 4 Cedis (Stoff – 4 Cedis)
1. Klass Kabine auf Fähre (3 Nächte) – 33.50 Cedis
Fanice (Vanille Glace!) – 0.30 Cedis
Portion Yams mit Kabis-Sauce – 1 Cedi

Samstag, 26. April 2008

Yapei Yams

Wir sind auf der Yapei Queen, dem Transport- und Passagierschiff des Lake Volta! Wir sitzen in einer der zwei 1. Klass-Kabinen und geniessen den Luxus eines eigenen Zimmerchens, denn die Fahrt von Yeji an all den gefluteten Bäumen vorbei nach Akosombo soll zwar nur 36 h dauern, kann sich aber leicht über 4 Tage hinweg ziehen: Yams, eine kartoffelartige Feldfrucht, spielt dabei der zentrale Faktor, wie wir bald merken. Überall, wo wir anlegen, wartet eine grössere Menschenmenge auf uns, die ihre Yamsernte aufs Boot laden will, um dann im Süden teuer zu verkaufen.



Obwohl ein moderner Hubstapler an Bord ist, muss der Yams von Menschenhand, genauer Frauenhand, mühsam aufs Schiff gehievt werden, da das Schiff nicht richtig anlegen kann. Was soll man dazu sagen? T. I. A.: This is Africa…



Stundenlang zieht sich die Yams-Frauen-Schlange hin und her und die Lagerboxen füllen sich langsam. Von unserer 1. Klass-Etage aus lässt sich das emsige Treiben gut beobachten. Als es nachtet, fühle ich mit und gehe helfen: Meine Hilfe ist willkommen und schon bald entlade ich eine Schale voller Yams nach dem andern in die Boxen. Mein Fleiss scheint den Frauen aufzufallen: „Obruni (der Weisse) likes work“ kommt mir jedenfalls mehrmals zu Ohren.


Nach einer erfrischenden Dusche kräftigen wir uns im Schiffsrestaurant. Quintessenz: Ich verbringe meine Nacht mit Hin- und Herrennen zwischen WC-Schüssel und Kajüte, wo mir übelstes Magenbrennen jeglichen Schlaf raubt.

Auf dem Schulweg

Unsere zweite Nacht auf dem 5-tägigen Dogonland Trekking verbringen wir in einem kleinen Dorf, wo wohl noch nie Weisse übernachtet haben. Bei unserer Ankunft gehen wir zuerst zum Dorfchef, wo unser Führer um Erlaubnis fürs Übernachten fragt. Um zu diesem zu gelangen, müssen wir durch einen Raum voller Ziegen mit Stroh am Boden. Wir verstehen endlich, was es bedeutet Stall und Haus nicht getrennt zu haben.

Der Dorfchef ist sehr freundlich und nimmt die Gelegenheit war, ein Zusatzgeld zu verdienen. Wir erhalten also etwas zu Essen, Wasser zum „Duschen“ und als Übernachtungsplatz – wie schon so oft in Mali – ein Hausdach. Ein Güggeli, das wir essen wollen, wird uns zuerst vorgeführt und dann holen die Kinder unten am Fluss Wasser, das sie in Kanistern auf dem Kopf zu uns bringen. Bald schon sind wir von unzählbar vielen Kindern (wir schätzen sie auf ueber 50) umringt. Die UNO-Geburtszahlen scheinen wohl zu stimmen – hier bringt jede Frau zwischen 4 und 10 Kindern zur Welt, von denen jedes vierte vor fünf Jahren stirbt.

Wir sind leider zu müde von unserer mehr als 6-stündigen Wanderung bei über 40 Grad, um die Kindern zu unterhalten und gehen daher so schnell wie möglich zu Bett (also aufs Dach).


Am Morgen stehen wir wie immer mit den Hühnern auf und gehen gemeinsam mit den Dorfkindern den felsigen, wunderschönen Schulweg ins Tal.


Die Kinder haben so Freude an uns und wollen so viele Fotos, dass sie fast eine halbe Stunde zu spät kommen. Das scheint sie aber nur am Rande zu kümmern. Jedes Kind trägt ein Bündel mit Schulbüchern und –heften auf dem Kopf und läuft mit Plastikflipflops aus Asien importiert flink den steilen Weg hinunter.


Suchbild: Wer findet Christoph?


Christoph geht voran und wird auf einmal laut von einer alten, vom Tal kommenden Frau beschimpft. Die Kinder erklären mir, dass „Istop“ (=Christoph) auf einen heiligen Stein getreten ist, der nur für die Eingeweihten betretbar ist und ein Geheimnis birgt. Aha. Dies soll während unserem Trekking nicht das einzige Mal sein, dass uns dies passiert.

Mittwoch, 16. April 2008

11 Wochen unterwegs – und stets wohlauf!


Mangos, Wassermelonen und Papayas bringen Abwechslung in den von Reis und Poulet (manchmal sehr mager!) an Ölsauce geprägten – und immer öfter mit Gedanken an Schweizer-Essen durchzogenen – Essalltag.

Unsere tägliche Mango-Ration: 3-6 Stk. pro Person und zuckersüss

Afrikanischer Frauenalltag – kinderreich und hart



Die afrikanische Frau – eine emsige Person, die kaum aus der Ruhe zu bringen ist. Sic! Sei dies auf dem Feld, auf dem Markt, bei der Heimarbeit oder im Haushalt, die afrikanische Frau hat ihren Rhythmus tagein tagaus. Alles hat seinen Plan, auch wenn dieser für den Touristen nicht ersichtlich ist.




Auf dem Rücken hängt meist ein lebendiges Häufchen Kind, das gesäugt werden will, wenn immer es schreit. 5 bis 8 Kinder pro Frau müssen durchgebracht werden. Jedes vierte Kind in Mali stirbt. Zahlen, die einem zu denken geben. Eine Missernte und die gefürchtete „misère“ ist da.




Wir haben grosse Achtung vor den westafrikanischen Frauen, da sie nun wirklich das Rückgrat der Gesellschaft bilden, doch als Tourist ist es schwierig mit ihnen in näheren Kontakt zu gelangen. Reisende sind Männersache (schliesslich sind wir Touristen ein big business) und Frauen sind in der Regel sehr schlecht gebildet. Wenn es die Familie vermag, schickt sie meist einen Sohn zur Schule. Mädchen haben das Nachsehen… Der sprachliche Zugang zu den Frauen ist somit stark erschwert. Wer kein Französisch spricht, ging nicht zur Schule.


Es gibt einen grossen Vorwurf unsererseits an die afrikanischen Frauen: Sprecht mit euren Kindern, erklärt ihnen die Welt, lernt ihnen Spielen, Ideen entwickeln, Träume umsetzen…sonst gehen sie vor lauter Apathie wie gelähmt und mit grossem Entwicklungsrückstand ins Jugendalter über. Ab ca. 5 wird dann das Kind für die Familie interessant: Es kann und muss mitarbeiten. Die Erziehung ist trotzdem streng: Wenn die Mutter etwa befiehlt, 7 Stunden im Auto im Fleisch- und Gepäcksalat still zu sitzen, wird dies ohne Mucks ausgeführt. Kinder weinen nur, wenn sie Hunger haben, krank sind oder soeben von ihrem Vater mit dem Gurt oder der Rute gezüchtigt wurden. So läuft dies hier. Pro Familie kriegt dann noch ein Knabe das „Privileg“ in die Koranschule zu dürfen; dies sind dann die vielen bettelnden Kinder (erkennbar am mitgeführten, kleinen Plastikkübel oder der Aludose), die oft selbst für ihr Essen schauen müssen. Die mageren, staubigen Kinder geben zu denken, aber da wir solche religiöse Auswüchse nie und nimmer unterstützen wollen, bleiben wir wie immer hart und geben nichts! Es arbeiten genügend Weisse (auch NGOs) daran, dass Afrika zum Bettelkontinent verkommt…


Jean-Baptiste

Bereits vom Namen her ist die Religion ersichtlich: Jean-Baptiste ist engagierter Christ, genauer gesagt Katholik. Hier wird die Religion normalerweise anhand des Namens ersichtlich. So ist zum Beispiel für jeden klar, dass Christoph ein Christ ist – sonst würde er ja nicht so heissen! Auf unserem Weg treffen wir daher viele Mohammeds, Abdullays, Mamadous, Fatimas, etc., die – richtig geraten – nicht Christen, sondern Moslems sind (ein Nachfragen erübrigt sich).
Wir haben von einer Reisebekanntschaft (Christ-ian) die Adresse von Jean-Baptiste gekriegt. Er holt uns im Dunkeln in Kankan, der zweitgrössten Stadt in Guinea, ab. Zu ihm nach Hause nehmen wir nach einigem Zögern ein Moto-Taxi.


Ohne gross zu überlegen überlässt er uns sein Zimmer mit einem ca. 2.5m breiten Bett. Es gibt sogar ein Badezimmer, wenn auch kein fliessendes Wasser und Strom hat es nur, solange der mit Benzin betriebene Generator läuft. Gastfreundschaft bedeutet hier, dass wir einfach bleiben können, so lange wir wollen.
Jean-Baptiste ist sehr gebildet und arbeitet einerseits als Uni-Professor für Wirtschaft, andererseits ist er bei Caritas für die Finanzen zuständig. Mit seinem Lohn finanziert er Geschwistern und Cousins die Ausbildung.
Während unseres Aufenthalts kommen wir mit diesen Maturanden und Studenten näher ins Gespräch. Alle sind ziemlich aufgebracht über die „mal-gouvernance“ des Staates. Guinea ist eines der ressourcenmässig reichsten Länder und dennoch gibt es wenige geteerte Strassen, kaum fliessendes Wasser und regelmässigen Strom nur in der Hauptstadt. Es verwundert uns deshalb nicht, dass ab dem 31. März ein Streik angekündigt wird.
Wir können nur hoffen, dass sich in Guinea bald etwas ändert. Die Leute haben die Nase voll und sind bereit, aufs Ganze zu gehen (ein Putsch, hier „coup d’état“ genannt, ist nicht ausgeschlossen).
Jean-Baptiste hat – obwohl auch beim Staat angestellt – das guineische (afrikanische?) Problem verstanden: jeder schaut (nur) für sich und seine Familie. Dies bedeutet beispielsweise, dass nicht der Asphalt auf die Strasse geht, sondern das Geld auf ein Bankkonto in der Schweiz. Jean-Baptiste will gegen die Armut in Guinea ankämpfen. Am liebsten würde er in Europa Entwicklungsarbeit studieren, um sich noch besser für sein Land einsetzen zu können. Nach ihm müssen die Guineaner (damit sind in diesem Fall die Funktionäre gemeint) mehr patriotisch und weniger egoistisch werden; d.h. nicht mehr als ihnen zusteht zur Seite schaffen: Momentan arbeiten gezählte 19 Minister vor allem in ihre eigenen Taschen; allen voran wahrscheinlich das Ministerium für Diamanten, Gold und Mineralressourcen…

Fragen über Fragen

Was wir oft gefragt werden - wer fragt

Ça va? Vous allez bièn? - Alle, bei jeder Gelegenheit
Où vous allez comme ca? - Nervige Schlepper
Comment t’appelles-tu? - Kinder, die uns in Horden nachrennen
Donne-moi de l’argent! - Kinder, alte Frauen
Donne-moi un cadeau! - Beamte, Kinder, Frauen,…
Vous êtes des frères et soeurs? - Neugierige
Vous êtes des jumelles? - Blinde
Vous êtes de quelle nationalité? - Interessierte


Was wir oft fragen - wen wir fragen

Ça va? Vous allez bièn? - Alle, bei jeder Gelegenheit
Ça coûte combien? - Souvenirhändler, Taxifahrer,…
Vous plaisantez? C’est trop cher! - Souvenirhändler, Taxifahrer,…
Il faut diminuer un peu! - Souvenirhändler, Taxifahrer,…
Vous avez de l’eau purifiée? - Wasserverkäufer/innen
Tu vas à l’ècole? - Kinder

Freitag, 28. März 2008

Schuhputzer Nr. 8: Einer unter vielen

Wir warten wieder einmal auf einem der vielen gare voiture (heute in Mamou). Es dauert 3 Stunden, bis der Peugeot voll ist. Voll heisst in diesem Fall, dass 13 (!) Personen darin Platz finden (fragt nicht wie, aber die Fahrt war anstrengend)…
Am gare voiture bieten jeweils allerlei Händler ihre Waren an – oft werden diese in Gefässen auf dem Kopf transportiert. Hier bietet sich Christoph auch die Gelegenheit, die Schuhe putzen zu lassen.

Mamadou ist schätzungsweise der 8. Schuhputzer, dessen Dienste wir in Anspruch nehmen – er steht für viele seinesgleichen.


Durch lautes Klopfen an die umgehängte Holzkiste macht er auf sich aufmerksam. Ein kleiner Wink reicht und er kommt gesprungen. Es könnte sonst leicht sein, dass ein anderer schneller ist. Der Preis ist beschämend tief (umgerechnet ca. 8 Rp.). Mit dem Geld kann er sich gerade mal eine Banane kaufen.
Jeder Schuhputzer hat seinen fixen Putzplan: Jede Bewegung sitzt und eine folgt flink der andern. Schuhe mit Seifenwasser vom Staub reinigen, abreiben, mit Fett grosszügig einschmieren, polieren und elegant glänzen.
Da Mamadou zur Schule geht, versteht er Französisch und gibt uns bereitwillig auf unsere Fragen Auskunft. Zwei Tage pro Woche ist er mit dem Schuhputzzeug unterwegs. Pro Tag verdient er ca. 8000 GNF (ca. 2 Fr.). Die restlichen Tage drückt er die Schulbank. Dies macht er seit fünf Jahren so; also seit er acht ist. Seine Arbeit gefällt ihm nicht.

Blaise – desillusionierter Student in Dalaba

Nun sind wir in Guinea. Ein Land, das einer ungewissen Zukunft entgegen geht. Für den 31. März ist Generalstreik angesagt, die Bevölkerung hat die Nase voll von der Regierung, die sich schamlos auf Kosten der armen Bevölkerung bereichert. Unsere Pläne werden erneut über den Haufen geworfen: Anstatt im Süden von Guinea den Regenwald zu durchstreifen, werden wir gezwungenermassen bereits in Mali sein, wo die Hitze uns wohl bruzzeln lässt.

Blaise – ein Student aus der Waldregion im Süden Guineas – gibt uns in Dalaba einen Einblick in sein Studentenleben. Dieses hat bereits ganz andere Vorzeichen als bei uns in der Schweiz:
Der Staat teilt einem nach dem Lycée die Studienrichtung zu und dies ziemlich willkürlich – oder anders gesagt geldgesteuert! Blaise, der keine wohlhabenden Eltern besitzt, sitzt nun in Vorlesungen über Veterinärmedizin, obwohl ihn eigentlich Wirtschaft interessiert.
Um seine Unterkunft zu finanzieren, arbeitet er in einem Hotel, wo er putzt und Nachtwache hält. Momentan hat er gerade Prüfungen. Morgens um 4 Uhr steht er auf und lernt, bis die ersten Hotelgäste (dies sind wir, da wir die einzigen hier sind) frühstücken wollen.
Sein Gehalt ist so spärlich (20 000 CFA), dass es ihm - wie vielen Guineanern – kaum für das Essen reicht. Lukrative Studentenjobs existieren nicht und der Staat gibt den Studenten 80 000 CFA pro Monat (ca. 20 Fr.). Daher ist es verständlich, dass Blaise das Vertrauen in seine Heimat verloren hat und von einer weissen Frau aus Europa träumt.


Obwohl Blaise ein gebildeter Katholik ist, erklärt er uns auf unser Nachfragen ernsthaft, dass die Hautritzungen an seinen Oberarmen dazu dienen, ihn zu beschützen. Die eine Ritzung verhindere das Eindringen von Kugeln in seinen Körper, eine andere schützte vor Gift. Uns bleibt fast der Mund offen stehen und wir realisieren wieder einmal, dass wir wirklich in Afrika sind: Aberglaube, Naturreligionen, Christentum und Islam führen zu einer eigenartigen Mischung.

PS: Christoph lehnt Blaises Angebot dankend ab, im Süden auch solche Ritzungen machen zu lassen.

Mittwoch, 19. März 2008

Tché Tché – im Zeichen der Schimpansen und des Militärs


Nach einer bunten Überfahrt in einer überfüllten Holz-Piroge von den Bijagos Inseln nach Bissau (4 h, 2 Wasserschöpfer und allerhand Vieh) verschieben wir uns nach Tché-Tché, ein kleines, malerisches Dorf im Südosten von Guinea. Hier lebt eine der letzten Schimpansen-Kolonien von Westafrika und das Ministerium für Umwelt unternimmt momentan gerade einen Versuch mit Öko-Tourismus, etwas Geld in diese arme Region zu bringen. Wir wollen diese Menschenaffen sehen!


Der äusserst zuvorkommende Dorf-Chef begrüsst uns herzlich und die Schimpansen-Pirsch wird mit ihm zusammen für frühmorgens geplant.
Mit dem Dorfjäger ziehen wir los: Acht Jagdhunde begleiten uns! Kann das gut kommen? Jedenfalls sehen wir eine Menge Schimpansen-Nester in den Bäumen, doch die Hunde haben die schlau-scheuen Schimps schon lange vertrieben.


Nix mit Affengucken fürs erste…der betroffene Dorfchef legt eine zweite Pirsch für den späten Nachmittag fest.
Anstatt einer Schimpansen-Beobachtung findet nun eine von uns bezahlte Affen-Jagd statt: Jedes Mal, wenn die Hunde angeben, geht es rauf und runter, durch Büsche und Dornen, um guten Schuss zu haben. Resultat der dreistündigen Affen-Tour sind zwei erlegte Primaten und ein Waisen-Affen-Kind! Zum Glück essen Muslime keine Schimpansen. Das Affen-Kind wird für knapp 10 Fr. in die nächste Stadt verkauft.


So nicht, mein Lieber! Nach einer Aussprache unter der Leitung des verständnisvollen Dorfchefs wird für den nächsten Tag eine weiterer Beobachtungsgang unternommen. Wieder nix, nun lassen wir es endgültig…denn im Dorf will langsam aber sicher jeder besser wissen, wo sich die Schimps aufhalten und sie uns zeigen kommen. Gegen gutes Geld natürlich…


Dafür besichtigen wir unter sachkundiger Führung des Häuptlings das Dorf, in dem uns aber nun wirklich alle kennen. Dabei hören wir interessante Sachen, die uns alleine nicht aufgefallen wären. Im 2003 hat Unicef hier eine Schule gespendet, im 2004 war das Geld für Schulmaterial aufgebraucht und seither fehlt es an allem. Infolge der korrupten Regierung hat Unicef keine weiteren Gelder mehr gesprochen. Das einstige Spital steht verlassen da, hier hat die Entwicklungshilfe ein weiteres Mal versagt.


Die Regierung hat Geld gesprochen für ein Lokal-Radio. Das Gebäude steht leer da, alles andere Geld ist in anderen Kanälen versickert. Der Dorf-Chef zeigt uns noch einen 100-seitigen Entwicklungsplan der Regierung für das Dorf für 2007-2009. Tönt alles super, doch der Bericht hat wahrscheinlich schon den grössten Teil des vorhandenen Geldes gefressen…so tickt die Welt in Westafrika!
Immerhin, die Wasserpumpe und die Dorf-Bäckerei funktionieren. Die Kinder sind sehr freundlich und wir werden während der ganzen Zeit zu unserem Erstaunen nicht ein einziges Mal nach Geld oder sonst irgendwelchen Geschenken gefragt.




Das vom Dorf nicht zu unterscheidende Militär-Camp lernen wir tags darauf kennen: Hier sind alle reicher, haben je nach Geschlecht vorne oder hinten ein gutes Fettpolster und sogar die Hühner sind dicker. Gearbeitet wird kaum und wenn schon, dann vor allem wichtig getan und gesprochen und Geld eingesteckt, wo immer man kann. Zum Leid der Bevölkerung. Auch wir müssen das miterleben, denn uns gibt sich die Gelegenheit mit einem Reistransporter aus den 60ern nach Boké, Guinea zu reisen. Dreieinhalb Stunden müssen wir warten, bis der Wegzoll vom Militär festgelegt ist. Um 10 30 lassen sie uns passieren…


Die 22-stündige Fahrt auf übelsten Feldwegen (ca. 150 km), durch Flüsse, rauf und runter, durch Dörfer, wo die Kinder fliehen, wenn wir Weisse aussteigen, ist ein richtiger Hammer-Trip. Zu fünft sitzen wir vorne in der Kabine, es ist eng und die Abwärme sowie die Giftdämpfe steigen vom Motor direkt in unsere Nasen. Doch wir haben es lustig. Unterwegs laden wir 150 Säcke Reis, ab und zu muss wieder gewartet werden – wegen dem Militär natürlich, einen Platten gibt es auch noch, 2 Mal müssen wir andere Teile am Laster flicken und frühmorgens nach durchgefahrener Nacht geht gut 15 km vor Boké der Most aus…aufs Dach steigen und auf den vom Regen duchnässten Säcken schlafen, heisst die Devise. Wie immer in Afrika – irgendeine Lösung findet sich…fragt uns nicht wie, aber 2 Stunden später geht die Fahrt wieder weiter. Heil und schmutzig wie Kaminfeger erreichen wir Boké. Das war Afrika live!

Mimis Finanz-Alltag Nr. 5

Hotelnacht in einem Stundenhotel in Bissau (bis 4 Uhr morgens Hochbetrieb) = 8000 CFA
Hotelzimmer mit Meerblick (Bijagos Inseln) = 5000 CFA
Mitfahrt nach Bubaque (4h Meer) = 2500 CFA
200g Cashew Nuesse = 300 CFA
Brot = 100 CFA
1 L Zuckerrohrschnaps = 1500 CFA
Mittagessen (Reis und Fisch) = 750 CFA
Papaya = 150 CFA
1 Paeckli Zigarretten (Geschenk) = 250 CFA
30 m Fischschnur inkl. Haken = 900 CFA
1 Huhn = 1000 CFA
22-stuendige Fahrt nach Guinea = 7500 CFA
Dusche danach = gratis (beim Chauffeur zu Hause)


Mimis Finanz-Alltag Nr. 6

4200 GF (Guinean Franc) = 1 Fr.

1 h Internet = 4000 GF
Hotelnacht in sehr schaebigem Hotel = 50000 GF
1 Mango = 500 GF
Guinea T-Shirt = 30000 GF
Marsglace = 16000 GF (absoluter Luxus)
1 Min Telefonieren in die Schweiz = 1000 GF
250 km Taxifahrt (9 Plaetze) = 30000 GF
Schuhe putzen und fetten (Strassenkinder) = 500 GF