Vier Monate Afrika sind um! Heute heisst es Adé sagen und ins Flugzeug steigen. Die zurückgelegte Strecke von Marokko via Mauretanien, Senegal, Guinea-Bissau, Guinea, Mali, Ghana nach Burkina Faso überfliegen wir nun in ca. 2 Stunden. Der Landweg war definitiv interessanter aber auch entbehrlicher.
Was hat uns diese Reise gezeigt? Was haben wir dabei gelernt? Welches ist die Zukunft Afrikas? Warum ist Afrika der vergessene Kontinent? Was muss geschehen, um den Weg in eine bessere Zukunft zu schaffen? Braucht es die omnipräsente Hilfe des Westens überhaupt? Ist sie förderlich oder sogar hinderlich? Können sich die Leute hier nicht selber helfen? Wenn ja, wie? Wollen sie das oder sind vor allem die Männer einfach zu faul?
Solche Fragen haben uns in den letzten Wochen auf unserer Reise begleitet. Zu Beginn der Reise ist alles neu, man staunt, man lernt, wie mit welchen Leuten umgehen, alles ist neu, man ist fasziniert. Je länger die Reise fortschreitet, desto mehr ist man voll im afrikanischen Leben drin. Überladene Autos, die fast auseinander fallen; Frauen, die unglaubliche Lasten auf dem Kopf balancieren; Fleischerstände, die zum Himmel stinken; Schlepper, die es nur auf die Weissen Batzen abgesehen haben; Männergruppen, die den ganzen Tag rumhängen und nur „bouffer l’argent“ – all dies bringt einen kaum mehr aus der Ruhe. Es ist alles gewohnt, man ist auf fast alle Fälle vorbereitet. Und doch erlebt man täglich Neues, Unbekanntes, Erstaunliches. So ist die Welt. Jeder Tag bringt seine Geschichte, für jeden sieht sie anders aus und startet mit ungleichen Vorzeichen. Die Bauersfrau im malischen Dogonland zum Beispiel erlebt den Tag komplett anders als der durchreisende Tourist. Auch der Blickwinkel, aus dem man die Umwelt betrachtet, ist ein völlig anderer. Es sind andere Probleme, die einem beschäftigen. Doch das Gemeinsame ist: Wir sind alle Menschen, können ungeachtet der Sprache miteinander kommunizieren und einander verstehen, wir haben alle unsere Probleme. Jeder muss sich irgendwie durchs Leben schlagen. Wir alle sind auf unserem Weg und wenn sich dieser mit anderen kreuzt, verstehen wir uns, ganz egal, wer wir sind oder wo wir sind.
Auf viele Fragen haben wir für uns Antworten gefunden, auf andere wiederum nicht. Die Welt ist zu gross, um von zwei Menschen interpretiert zu werden. Wir alle müssen unseren Teil zur täglichen „Verbesserung“ der Welt beitragen. Auch wenn es nur ein sehr kleiner ist.
Verantwortungsvolles Reisen bedeutet, nicht immer den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Wer ist Schuld daran, wenn der Afrikareisende in einem abgelegenen Dorf von einer Horde Bettlern begrüsst wird, der Dorfchef nach dem ganz grossen Cadeau fragt und die Menschlichkeit vom Geldgedanken verdrängt worden ist? Touristen, die den Kindern wie wild Bonbons verteilen und alle Preise bezahlen, auch wenn sie unverschämt hoch sind, tragen dazu bei, dass das afrikanische Bild vom Weissen massiv verzerrt wird und die afrikanische Nation zum armen Bettler verkommt. Wer wird den Weg aus der Armut wohl eher schaffen, der aufrichtige arme Bauer oder der verwahrloste arme Bettler?
Uns ist es nicht immer gelungen, uns vorteilhaft zu verhalten. Und doch hoffen wir, etwas zum Verstaendnis verschiedener Welten fuereinander beigetragen zu haben. Wir haben auf jeden Fall profitiert!