Dienstag, 20. Mai 2008

Auf Wiedersehen Afrika


Vier Monate Afrika sind um! Heute heisst es Adé sagen und ins Flugzeug steigen. Die zurückgelegte Strecke von Marokko via Mauretanien, Senegal, Guinea-Bissau, Guinea, Mali, Ghana nach Burkina Faso überfliegen wir nun in ca. 2 Stunden. Der Landweg war definitiv interessanter aber auch entbehrlicher.
Was hat uns diese Reise gezeigt? Was haben wir dabei gelernt? Welches ist die Zukunft Afrikas? Warum ist Afrika der vergessene Kontinent? Was muss geschehen, um den Weg in eine bessere Zukunft zu schaffen? Braucht es die omnipräsente Hilfe des Westens überhaupt? Ist sie förderlich oder sogar hinderlich? Können sich die Leute hier nicht selber helfen? Wenn ja, wie? Wollen sie das oder sind vor allem die Männer einfach zu faul?
Solche Fragen haben uns in den letzten Wochen auf unserer Reise begleitet. Zu Beginn der Reise ist alles neu, man staunt, man lernt, wie mit welchen Leuten umgehen, alles ist neu, man ist fasziniert. Je länger die Reise fortschreitet, desto mehr ist man voll im afrikanischen Leben drin. Überladene Autos, die fast auseinander fallen; Frauen, die unglaubliche Lasten auf dem Kopf balancieren; Fleischerstände, die zum Himmel stinken; Schlepper, die es nur auf die Weissen Batzen abgesehen haben; Männergruppen, die den ganzen Tag rumhängen und nur „bouffer l’argent“ – all dies bringt einen kaum mehr aus der Ruhe. Es ist alles gewohnt, man ist auf fast alle Fälle vorbereitet. Und doch erlebt man täglich Neues, Unbekanntes, Erstaunliches. So ist die Welt. Jeder Tag bringt seine Geschichte, für jeden sieht sie anders aus und startet mit ungleichen Vorzeichen. Die Bauersfrau im malischen Dogonland zum Beispiel erlebt den Tag komplett anders als der durchreisende Tourist. Auch der Blickwinkel, aus dem man die Umwelt betrachtet, ist ein völlig anderer. Es sind andere Probleme, die einem beschäftigen. Doch das Gemeinsame ist: Wir sind alle Menschen, können ungeachtet der Sprache miteinander kommunizieren und einander verstehen, wir haben alle unsere Probleme. Jeder muss sich irgendwie durchs Leben schlagen. Wir alle sind auf unserem Weg und wenn sich dieser mit anderen kreuzt, verstehen wir uns, ganz egal, wer wir sind oder wo wir sind.
Auf viele Fragen haben wir für uns Antworten gefunden, auf andere wiederum nicht. Die Welt ist zu gross, um von zwei Menschen interpretiert zu werden. Wir alle müssen unseren Teil zur täglichen „Verbesserung“ der Welt beitragen. Auch wenn es nur ein sehr kleiner ist.


Verantwortungsvolles Reisen bedeutet, nicht immer den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Wer ist Schuld daran, wenn der Afrikareisende in einem abgelegenen Dorf von einer Horde Bettlern begrüsst wird, der Dorfchef nach dem ganz grossen Cadeau fragt und die Menschlichkeit vom Geldgedanken verdrängt worden ist? Touristen, die den Kindern wie wild Bonbons verteilen und alle Preise bezahlen, auch wenn sie unverschämt hoch sind, tragen dazu bei, dass das afrikanische Bild vom Weissen massiv verzerrt wird und die afrikanische Nation zum armen Bettler verkommt. Wer wird den Weg aus der Armut wohl eher schaffen, der aufrichtige arme Bauer oder der verwahrloste arme Bettler?
Uns ist es nicht immer gelungen, uns vorteilhaft zu verhalten. Und doch hoffen wir, etwas zum Verstaendnis verschiedener Welten fuereinander beigetragen zu haben. Wir haben auf jeden Fall profitiert!

Elefanten gehören einfach dazu!


Im Mole National Park in Nordghana kann man zu Fuss auf Elefantenpirsch. Nix wie hin, sagen wir uns, denn Afrika ohne Elefanten wäre wie die Schweiz ohne Alpen. Spät nachts kommen wir im Park Headquarter an. Wir sind gespannt auf den Morgen, denn die Elefantenfamilie hier lässt sich in keiner Art und Weise mit der von Botswana vergleichen. Wir erwarten demzufolge nicht allzu viel…
Umso grösser ist unser Entzücken, als wir bei Morgengrauen über die weite Savanne blicken und die Elefanten gerade beim Bad am Wasserloch beobachten können. Gleich um die Ecke quert eine Warzenschweinfamilie unser Blickfeld.


Ein zweiter Blick lässt auch eine Menge Wild erkennen. Wir freuen uns auf den folgenden Elefantenbesuch.
Unser Führer bringt uns zum Wasserloch, wo nun mittlerweile ca. 15 Elefantenbullen den Morgen gemütlich im Wasser verbringen. Es ist einfach die Grösse der Tiere, die uns klein aussehen lässt daneben…wir sind von neuem fasziniert und nun kann ich doch noch Holzelefanten als Souvenir nach Hause bringen.


Von unserer Unterkunft lässt sich das Treiben am Wasserloch den ganzen Tag durch beobachten. Wer zu gebannt ist, dem stiehlt der angriffige Affe die zuckersüsse Ananas…selber schuld.

Freitag, 16. Mai 2008

Beachlife


Bald am Ende unserer langen, mehr oder wenigen anstrengenden Reise, gönnen wir uns 10Tage Strandleben in den abgelegensten und gemütlichsten Beach Resorts von Ghana. Die Natur ist umwerfend – Sandstrand mit Palmen so weit man in beide Richtungen sehen und gehen kann. Die Meeresschildkrötenzeit haben wir knapp verpasst. Wir unternehmen Kanufahrten auf seerosenbewachsenen Lagunen und besuchen weiss getünchte Sklavenforts mit über 500 Jahren Geschichte.

Am Strand kommen kleine Jungs vom Dorf und verkaufen uns Kokosnüsse, nachdem sie genug Holz nach Hause geschleppt haben.
Ein andermal beobachten wir, wie die Kinder den Rasta-vibe sozusagen in Privatlektionen erwerben.



Am Abend können wir trotz müden Beinen nach stundenlangen Strandspaziergängen fast nicht einschlafen, weil das Meer so laut in unseren Ohren rauscht.



Im Reich der Schmetterlinge


Hier Schmetterling, da Schmetterling, dort Schmetterling, überall Schmetterling: leuchtend blau, schillernd violett, knallig gelb, schwarz-gelb getupft, braun getarnt, So erlebt man den tropischen Urwald in Ghana. Im Ankasa Forest Reserve, wo es noch wirklich unberührten Regenwald gibt, leben über 600 verschiedene Arten dieser grazilen Könige der Insekten!


Auf unserem 14 km langen „Militärmarsch“ mit Vollbepackung (hinten und vorne Rucksack) in unser Nachtlager mitten im Urwald sehen wir unzählige davon. Der Schweiss tropft nur noch so, das Wasser ist rationiert und das Essen eintönig. Trotz all diesen selbstauferlegten Strapazen ist das Reservat ein Naturerlebnis. Vor allem in der Nacht, wo die schrille „Musik“ der Grillen und das Geschrei der Affen einfach dazugehören, merkt man, wie erschreckend still die Welt ohne Lebewesen sein könnte.


Zurück in die Zivilisation gehen wir ebenfalls zu Fuss. Auf unserem Eilmarsch kreuzen wir den Ameisenmarathon. Hunderttausende queren da die Strasse, die von grossen Wadenklemmern bewacht wird, welche Fotografen nicht dulden.

Freitag, 9. Mai 2008

God First Hair Salon

Eigentlich wollte ich ja nie, aber jetzt hat’s mich doch gepackt…



In Lydias „God First Hair Salon” verpassen mir fünf flinke Ladies innert 2.5 Stunden die untenstehende Frisur.


Meine Kopfhaut schmerzt noch zwei Tage später und ihr werdet mich sicher in der Schweiz nicht mehr so sehen, aber es hat sich doch gelohnt, das mal auszuprobieren!

Mimis Finanz-Alltag Nr. 6

(1 ghanaischer Cedi = ca. 1 Fr)

Zöpfli – 9 Cedis
Geschneidertes Kleid – 4 Cedis (Stoff – 4 Cedis)
1. Klass Kabine auf Fähre (3 Nächte) – 33.50 Cedis
Fanice (Vanille Glace!) – 0.30 Cedis
Portion Yams mit Kabis-Sauce – 1 Cedi

Samstag, 26. April 2008

Yapei Yams

Wir sind auf der Yapei Queen, dem Transport- und Passagierschiff des Lake Volta! Wir sitzen in einer der zwei 1. Klass-Kabinen und geniessen den Luxus eines eigenen Zimmerchens, denn die Fahrt von Yeji an all den gefluteten Bäumen vorbei nach Akosombo soll zwar nur 36 h dauern, kann sich aber leicht über 4 Tage hinweg ziehen: Yams, eine kartoffelartige Feldfrucht, spielt dabei der zentrale Faktor, wie wir bald merken. Überall, wo wir anlegen, wartet eine grössere Menschenmenge auf uns, die ihre Yamsernte aufs Boot laden will, um dann im Süden teuer zu verkaufen.



Obwohl ein moderner Hubstapler an Bord ist, muss der Yams von Menschenhand, genauer Frauenhand, mühsam aufs Schiff gehievt werden, da das Schiff nicht richtig anlegen kann. Was soll man dazu sagen? T. I. A.: This is Africa…



Stundenlang zieht sich die Yams-Frauen-Schlange hin und her und die Lagerboxen füllen sich langsam. Von unserer 1. Klass-Etage aus lässt sich das emsige Treiben gut beobachten. Als es nachtet, fühle ich mit und gehe helfen: Meine Hilfe ist willkommen und schon bald entlade ich eine Schale voller Yams nach dem andern in die Boxen. Mein Fleiss scheint den Frauen aufzufallen: „Obruni (der Weisse) likes work“ kommt mir jedenfalls mehrmals zu Ohren.


Nach einer erfrischenden Dusche kräftigen wir uns im Schiffsrestaurant. Quintessenz: Ich verbringe meine Nacht mit Hin- und Herrennen zwischen WC-Schüssel und Kajüte, wo mir übelstes Magenbrennen jeglichen Schlaf raubt.

Auf dem Schulweg

Unsere zweite Nacht auf dem 5-tägigen Dogonland Trekking verbringen wir in einem kleinen Dorf, wo wohl noch nie Weisse übernachtet haben. Bei unserer Ankunft gehen wir zuerst zum Dorfchef, wo unser Führer um Erlaubnis fürs Übernachten fragt. Um zu diesem zu gelangen, müssen wir durch einen Raum voller Ziegen mit Stroh am Boden. Wir verstehen endlich, was es bedeutet Stall und Haus nicht getrennt zu haben.

Der Dorfchef ist sehr freundlich und nimmt die Gelegenheit war, ein Zusatzgeld zu verdienen. Wir erhalten also etwas zu Essen, Wasser zum „Duschen“ und als Übernachtungsplatz – wie schon so oft in Mali – ein Hausdach. Ein Güggeli, das wir essen wollen, wird uns zuerst vorgeführt und dann holen die Kinder unten am Fluss Wasser, das sie in Kanistern auf dem Kopf zu uns bringen. Bald schon sind wir von unzählbar vielen Kindern (wir schätzen sie auf ueber 50) umringt. Die UNO-Geburtszahlen scheinen wohl zu stimmen – hier bringt jede Frau zwischen 4 und 10 Kindern zur Welt, von denen jedes vierte vor fünf Jahren stirbt.

Wir sind leider zu müde von unserer mehr als 6-stündigen Wanderung bei über 40 Grad, um die Kindern zu unterhalten und gehen daher so schnell wie möglich zu Bett (also aufs Dach).


Am Morgen stehen wir wie immer mit den Hühnern auf und gehen gemeinsam mit den Dorfkindern den felsigen, wunderschönen Schulweg ins Tal.


Die Kinder haben so Freude an uns und wollen so viele Fotos, dass sie fast eine halbe Stunde zu spät kommen. Das scheint sie aber nur am Rande zu kümmern. Jedes Kind trägt ein Bündel mit Schulbüchern und –heften auf dem Kopf und läuft mit Plastikflipflops aus Asien importiert flink den steilen Weg hinunter.


Suchbild: Wer findet Christoph?


Christoph geht voran und wird auf einmal laut von einer alten, vom Tal kommenden Frau beschimpft. Die Kinder erklären mir, dass „Istop“ (=Christoph) auf einen heiligen Stein getreten ist, der nur für die Eingeweihten betretbar ist und ein Geheimnis birgt. Aha. Dies soll während unserem Trekking nicht das einzige Mal sein, dass uns dies passiert.